«Bei uns sind momentan 15 Arzneimittel beziehungsweise 29 Produkte betroffen», bestätigt Inselspital-Mediensprecher Markus Hächler einen Bericht der «SonntagsZeitung» zu Lieferproblemen bei Krebs-Medikamenten. Das Universitätsspital habe bisher aber erst für fünf dieser Produkte bei anderen Firmen Ersatz beschaffen müssen. «Bei den anderen Produkten hat die Spitalapotheke noch einen gewissen Vorrat», beruhigt Hächler und betont, dass stets alle Patientinnen und Patienten behandelt werden könnten.

Mehrarbeit für Spitalapotheker

«In Einzelfällen mussten wir auf alternative, aber gleichwertige Therapien umstellen. Patienten merken aber keinen Unterschied», erklärt Eric Send. Laut dem Sprecher der Solothurner Spitäler AG (soH) sind die «seit ein paar Monaten hin und wieder festgestellten Engpässe für Krebsmedikamente» aber mit Mehrarbeit für die Spitalapotheker verbunden. Die in einem Verein organisierten Spitalapotheken würden sich jedoch gegenseitig aushelfen. Ausserdem bestehe via der Einkaufsgemeinschaft H-pharm, der auch soH angehört, ebenfalls ein ständiger Austausch.

Auch Antibiotika sind knapp

Diesen Sachverhalt bestätigt Richard Egger, H-pharm-Vorsitzender und Chefapotheker am Kantonsspital Aarau. Von Engpässen seien jedoch nicht mehr nur Krebs-Medis betroffen, sondern auch Antibiotika und andere Medikamente. In der Mehrzahl handle es sich um Medikamente mit abgelaufenen Patenten. «Wenn dann mehrere Generika-Produzenten identische Nachahmermedikamente auf dem Markt bringen, sinkt der Preis oft massiv. Die für einige Produzenten nicht mehr lukrative Marge und geringe Mengen führten zu einem Rückzug des Produktes, erläutert Egger das Marktverhalten.

Bei Engpässen könne jedoch selbst H-pharm nicht mehr über Preise verhandeln. Bei Ersatzbeschaffungen sei man primär auf Produzenten aus Deutschland ausgewichen. «Trotz starkem Franken sind alle importierten Produkte teurer als in der Schweiz. Richard Egger: «Dazu kommt ein administrativer Mehraufwand.» Bei künftigen Verhandlungen mit Lieferanten werde für H-pharm die Liefersicherheit zu einem wichtigen Entscheidungsfaktor.

Ein Umstellen ist gar nicht möglich

Von den Engpässen ist auch der Solothurner Krebsspezialist Thomas Egger betroffen: «In unserer Gemeinschaftspraxis Schänzlistrasse telefoniert eine Mitarbeiterin täglich mehre Stunden, um die benötigten Medikamente irgendwo zu beschaffen.» Weil ein ganz bestimmtes Medikament zur begonnenen Therapie gehöre, sei ein Umstellen gar nicht möglich. «Das ist ein grosses Problem.»

Tochterfirma von Novartis räumt Lieferengpässe ein

Das Heilmittelinstitut Swissmedic veröffentlichte diese Woche eine Information von Sandoz Pharmaceuticals AG. Darin räumt die Generika-Tochter von Novartis Lieferengpässe von einigen Sandoz Zytostatika ein. «Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die globale Nachfrage dieser Produkte in den letzten Monaten rapide zugenommen hat.»

Die Produktionskapazität im österreichischen Werk Unterach – 2009 übernahm Sandoz für rund 1,4 Milliarden Franken das Onkologie-Portfolio der Ebewe Pharma GmbH – werde derzeit «tiefgreifend» erweitert. Als Folge der Aufrüstung der Anlagen und wegen Unterhaltsarbeiten sei es unumgänglich, die Produktion in Unterach vorübergehend zu verlangsamen», schreibt Sandoz. Für einzelne Produkte kündigt der Generika-Riese im Laufe dieses Jahres wieder bessere Verfügbarkeiten an.