Die Volkspartei setzt im Abstimmungskampf gegen die erleichterte Einbürgerung einmal mehr auf provokative Optik. Das Plakat der aktuellen Abstimmungskampagne zeigt eine vollverschleierte Frau und kommt im gewohnten SVP-Design daher. 

Das Plakat erinnert stark an seine Vorgänger. Tatsächlich ist die Burkaträgerin auf den Plakaten, die seit dieser Woche in vielen Schweizer Bahnhöfen hängen, die gleiche wie bei den Plakaten vor der Minarett-Abstimmung 2009.

Burka-Plakat der SVP im Zürcher Hauptbahnhof.

Burka-Plakat der SVP im Zürcher Hauptbahnhof.

Verantwortlich für das Plakat ist der Aargauer Nationalrat und SVP-Asylchef Andreas Glarner. Beim Besuch von Tele M1 in Glarners Büro breitet er gleich einen ganzen Stapel davon auf dem grossen Sitzungstisch aus. Er ist überzeugt vom Sujet. «In den Bahnhöfen wirkt es – es 'chlöpft' so richtig», freut sich Glarner.

Dass seine Partei dadurch in die Rolle der Angstmacherin zu fallen droht, stört den Asyl-Hardliner nicht, im Gegenteil: «Ich bin froh, wenn die Schweizer Angst bekommen und nachdenken anstatt durchwinken», sagt Glarner gegenüber Tele M1. Das Plakat rege an, sich Gedanken zu machen.

Mit diesem Plakat warb die SVP für ein Ja zum Minarett-Verbot.

Mit diesem Plakat warb die SVP für ein Ja zum Minarett-Verbot.

«Bildliche Falschaussage»

Gedanken über das Plakat macht sich auch der grüne Aargauer Nationalrat Jonas Fricker. Es werde dadurch der Eindruck erweckt, dass Burkaträgerinnen erleichtert eingebürgert würden. «Das ist eine bildliche Falschaussage», so Fricker. «In der Schweiz gibt es praktisch keine Burkaträgerinnen», hält er fest. Und die wenigen Ausnahmen würden kaum eine Einbürgerung anstreben.

Auch in der CVP versteht man die Botschaft der SVP nicht. Es gehe bei der Abstimmung schliesslich nicht um Burkas, sondern um die erleichterte Einbürgerung von jungen Ausländern, betont Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder. «Von diesen läuft wohl niemand mit einer Burka herum». Die einzige ihr bekannte Burkaträgerin sei Nora Illi. Und diese könne ja wohl nicht ausgewiesen werden.

Umfrage

Sind Sie für die erleichterte Einbürgerung der dritten Ausländergeneration?
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Rund 100 Burkaträgerinnen

Wie viele Frauen in der Schweiz vollverschleiert unterwegs sind, ist nicht bekannt. Der Bundesrat geht von rund 100 aus. Ob darunter auch Ausländer der dritten Generation sind, die von der erleichterten Einbürgerung profitieren könnten, ist zu bezweifeln.

Auch Abdulmalik Allawala, Sprecher des Verbandes Aargauer Muslime, könnte kein Beispiel nennen. Er ärgert sich deshalb über das Plakat: «Offenbar scheut die SVP eine ernsthafte Debatte über diese wichtige Vorlage», vermutet Allawala, «weil sie keine Gegenargumente hat». (cze)