Erst sieben Wochen nach dem Tod des Stühlinger Waffenhändlers wurde der heute 48-jährige Angeklagte für die Polizei zum Hauptverdächtigen. Die mühsame Spurensuche schilderte im Mordprozess vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen eine Oberkommissarin der Sonderkommission Fabrik. Die Aussage machte klar, welche Rolle die Technik in Handys, Computern, Autos und Überwachungskameras bei der Verbrechensaufklärung spielt. 

Am 15. Februar, nach 18 Uhr, wurde der 88 Jahre alte Händler in seinem Laden in Stühlingen mit zwei Schüssen getötet, danach Leiche und Geschäftsraum angezündet. Erst zwei Tage später fanden Rechtsmediziner in der angekohlten Leiche zwei Projektile des Kalibers 22 als wirkliche Todesursache. Ein Waffennarr, der "dumm rumgequatscht" hatte, so der Kammervorsitzende Martin Hauser, lockte die Kripo ebenso auf eine falsche Fährte wie ein lügender Hausmeister.

Der Name des Angeklagten stand mehrfach in den schriftlichen Unterlagen des Waffenhändlers – im Zusammenhang mit Waffengeschäften. Der Angeklagte hatte das Opfer noch am Tattag angerufen. Auf den 1,96 Meter langen Schwarzwälder traf die Beschreibung einer Frau zu, die zur Tatzeit vor dem Tatort einen auffallend großen Mann gesehen hatte. Und die Rekonstruktion des Telefonverkehrs des Händlers ergab, dass der 48-Jährige versucht hatte, eine MP 5 oder Uzi zu bestellen, eine Maschinenpistole also.

Mit seinem Mobiltelefon legte der Angeklagte am Tattag eine Spur von seinem Wohnort bei Rottweil in den Kreis Waldshut. Die Zeitlücke, in der das Handy abgeschaltet gewesen sein dürfte, betrifft den Tatzeitraum. Erst eine Nachfrage bei den Schweizern ergab, dass das Handy da in einer Funkzelle bei Schleitheim, Stühlingens Nachbarort, registriert worden war. Auch das Navigationsgerät im Dienstauto des Verdächtigen hinterließ eine Funklücke, in der das Gerät nicht aktiviert war, passend zum Zeitfenster der Tat. Bei seinem Autohaus hatte sich der Angeklagte angeblich mehrmals erkundigt, wie man das Navi ausschalten kann.

Am 31. März 2016 wurde der 48-Jährige vom Zeugen zum Beschuldigten. Zwei Beamte holten ihn während der Hannover-Messe frühmorgens aus dem Hotelbett, während daheim mehrere Örtlichkeiten durchsucht wurden. Der Verdächtige bestritt jede Beteiligung, die Tatwaffe blieb trotz Durchsuchungen verschwunden. Zum Haftbefehl reichte es erst, als der Repräsentant eines Waffengroßhändlers zu Protokoll gab, der Angeklagte habe bei ihm kurz vor der Tat eine Walther P22-Pistole ausgeliehen, am 17. Februar zurückgebracht und ihn gebeten, der Polizei nichts davon zu sagen.