Nächste Woche tagt die Fraktion der Labor-Abgeordneten. Rudd-Anhänger drängen den 54-Jährigen zur Revanche, berichten politische Analysten. Er solle die 50-jährige Regierungschefin Julia Gillard herausfordern.
"Die Sache ist, dass ich mein Amt nicht ohne die Rückendeckung von Premierministerin Gillard ausüben kann", sagte Rudd. Er kündigte seinen Rücktritt während eines Aufenthalts in Washington an und kam damit möglicherweise seiner eigenen Entlassung zuvor. Der Politiker beklagte, die Premierministerin habe ihn nicht ausreichend vor medialen Angriffen gegen seine Person geschützt.
Offene Rivalität
Die Rivalität zwischen beiden war in den vergangenen Tagen offen zu Tage getreten. Rudd hatte in Interviews eine neue Amtszeit als Regierungschef nicht ausgeschlossen, Gillard sprach ihm kein Vertrauen aus. Sie schwieg am Mittwoch und ernannte zunächst auch keinen Nachfolger.
Rudd betonte laut dem Sender BBC allerdings, er habe keine "heimliche Attacke" auf die amtierende Regierungschefin seiner eigenen Labor-Partei vor. Vorwürfe eines Führungsstreits in der Labor-Partei bezeichnete er als "Seifenoper", die die Regierungsarbeit behindere.
"Wir alle wissen, was passiert ist, und es darf nie wieder passieren", sagte Rudd in Anspielung auf eine vergangene Rochade an der Spitze der Labor-Partei.
Gillard war bis 2010 Rudds Stellvertreterin. Im Juni 2010 fiel sie Rudd, damals Premier, in den Rücken und zwang ihn mit Unterstützung von anderen Labor-Abgeordneten zum Rücktritt. Rudd habe die politische Orientierung verloren, sagte sie.
Gillard gewann die Wahlen zwei Monate später denkbar knapp. Sie kann nur mit der Unterstützung von Unabhängigen regieren. Seitdem ist die Labor-Partei in Umfragen auf Talfahrt. Die nächsten Wahlen stehen 2013 an.