Manchmal reichen zwei Wörter. «Fick dich!» Wenn Heidi Mück von der Basta per Mail zu einer solch unanständigen Aktivität aufgefordert wird, weiss sie: Das ist kein Fan, der da schreibt. Aber sie weiss auch: Ich bin nicht allein. Es geht allen Politikern im Wahlkampf so.

Ehrverletzung, Drohung, Verleumdung. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat in den letzten Jahren vermehrt mit solchen Delikten zu tun. Manchmal sind Hassbriefe an Politiker die Ursache für ein Strafverfahren. Anonyme Schreiber sind besonders fleissig, wenn eine Politikerin oder ein Politiker einen Fernsehauftritt hinter sich hat oder mit einem umstrittenen Thema für Schlagzeilen sorgt. Oder eben: Wenn er oder sie im Wahlkampf ist. Heidi Mück musste schriftliche Drohungen kürzlich sogar zur Polizei bringen.

Üble Einträge werden gemeldet

Im Gegensatz zu Mück wird Baudirektor Hans-Peter Wessels weniger auf der persönlichen Ebene angegriffen. Doch auch er ist ein Opfer und in einer undankbaren Situation: Als Regierungsrat ist er schon lange Zielscheibe, im Wahlkampf ist er zusätzlich exponiert.

Während die Wutbürger früher gern zur Füllfeder griffen, hauen sie heute vor allem auf Facebook in die Tasten. Dort heisst es etwa: «Dä verdammti Wirtschaftsflüchtling soll ändligg zrugg woner här kunnt! Er het in Basel gnueg kaputt gmacht! Schloch!» Oder man solle ihm «e paar an d’Ohre» hauen. Solche Post lässt Wessels stehen. Nur «ganz üble Einträge» rassistischer und sexistischer Natur löscht er. Manche hat er auch schon blockiert oder gemeldet.

Wobei Wessels und seine männlichen Kollegen als «Wichser», Frauen hingegen als «Schlampe» bezeichnet werden – und das recht oft. «Meist werden sexistische Bemerkungen mit dem Sachthema vermischt», sagt die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Auch sie stellt fest: «Schlimmer als die Briefpost sind Kommentare auf den Online-Kanälen.»

Ausserdem seien Anfeindungen von rechter Seite häufiger, sagt Schneider-Schneiter, die als Mitte-Politikerin Kritik von beiden Seiten kennt. Joël Thüring ist in diesem Punkt anderer Meinung. Der SVP-Grossrat wird selber immer wieder Opfer solcher Post und wurde auch schon live attackiert. Er glaubt, Vertreter rechter Parteien seien öfters betroffen als Linke. Einer müsste das aktuell eigentlich am besten wissen: Lorenz Nägelin ist als SVP-Kandidat mitten im Wahlkampf und lacht von zahlreichen Plakatwänden. Kann er den Briefkasten noch öffnen, ohne einen derben Hassbrief lesen zu müssen? «Ja, denn Abwegiges erhalte ich per Post kaum», sagt er. Und setzt einen drauf: «Ich erhalte mehr Positives.»

So erfreulich das für Nägelin sein mag, es entspricht nicht dem Trend. Die anderen Kandidaten berichten alle von beleidigender Post: «Ich erhalte zuweilen auch solche physische und elektronische Post», sagt FDP-Regierungsrat und aktueller Wahlkämpfer Baschi Dürr. Oft käme es aber nicht vor. Thürings Vermutung, wonach vor allem bürgerliche und rechte Politiker betroffen sind, geht also nicht ganz auf.

Zurückhaltung wird belohnt

Die Gleichung lautet eher: je mehr Rampenlicht, desto mehr Hass. SP-Grossrätin Tanja Soland etwa sagt auch, sie erhalte vor allem nach Fernsehauftritten böse Post. Und nach medienwirksamen Vorstössen wie etwa dem Hundepark auf dem Marktplatz. Bei Wessels beziehen sich die Beleidigungen meistens auf seine Verkehrspolitik, die stets für Gesprächsstoff sorgt.

Nägelin hingegen fiel im Wahlkampf mit keinem Thema gross auf und musste entsprechend weniger Post entsorgen. Denn das tun sie alle: Sie löschen die meisten Hassmails umgehend. Oder wie es die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer formuliert: «Anonymes kommt bei mir umgehend in den Abfall. Denn ich habe keine Lust, mich im Schmutz zu suhlen.»