Gross war das Erstaunen, als vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass die Asyl-Empfangszentren des Bundes in den letzten Wochen regelmässig Asylbewerber wegen Überbelegung abweisen mussten. «10 bis 20 Einzelfälle der letzten Wochen», hiess es dazu offiziell bislang.

Auch ein Insider staunte über die Meldungen, allerdings aus einem anderen Grund: «Das ist doch seit Jahren gängige Praxis», meint er im Gespräch mit der bz und schüttelt den Kopf. Wegen seiner Arbeitsstelle will er anonym bleiben, das Asylwesen in der Region ist in der Hand zweier Firmen: Der ABS Betreuungsservice AG in Pratteln sowie der ORS Service AG. Letztgenannte betreibt im Auftrag des Bundesamtes für Migration unter anderem alle Bundesempfangszentren wie das Basler Bässlergut.

Decke nützt wenig bei Nässe

«Wer um 17.10 Uhr zum Basler Empfangszentrum in der Freiburgerstrasse kam, dem wurde gesagt, er solle morgen wieder kommen. Um 17 Uhr war Büroschluss wie auf einer Verwaltung», erzählt der Mann. Am Wochenende hiess das: kein Einlass von Freitag, 17 Uhr, bis Montagmorgen. «Bei eiskalten Temperaturen oder Schneefall war das nicht anders, allerdings wurden dann von den Mitarbeitern meist Decken abgegeben. Als ob so eine Decke bei nasskaltem Wetter viel nützt. Das wurde auch gemacht, wenn in der Empfangsstelle viele Betten frei gewesen wären.»

Er widerspricht auch den Aussagen des Bundesamtes, wonach man bloss gesunde junge Männer auf die Strasse gestellt habe: «Man kann sich sowieso darüber streiten, ob diese jungen Männer wirklich weniger schutzbedürftig sind als etwa Frauen. Aber nach fünf Uhr abends wurden auch Frauen und Familien abgewiesen. Da wurde nicht unterschieden».

Roman Della Rossa von der Betreiberfirma ORS Service AG will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Für die Kommunikation sei der Bund zuständig. Michael Glauser vom Bundesamt für Migration gibt indirekt Auskunft. Das Vorgehen sei gesetzeskonform: «Gesuchsteller können auf die ordentlichen Büroöffnungszeiten verwiesen werden, also beispielsweise bei Gesuchen am Abend oder Feiertagen auf den nächsten Werktag. Ausserhalb der Öffnungszeiten werden Schutzbedürftige bei Vorliegen besonderer Umstände aufgenommen.»

Tatsächlich sieht die Verordnung dies so vor, der Gummiparagraf der «besonderen Umstände» wird offenbar seit langem restriktiv ausgelegt. Die aktuelle Verordnung stammt von 2008, doch gemäss Informationen der bz reicht die Abwimmelungs-Praxis nach Büroschluss zurück bis in die Ära Metzler. Um «Einzelfälle» geht es schon lange nicht mehr.