Die Geschichte klingt wie eine Räuberpistole. Und vielleicht ist der Inhalt des 35 Seiten dicken Dossiers über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump, das am Dienstagabend veröffentlicht worden war, tatsächlich frei erfunden. Der Republikaner jedenfalls bekräftigte dies am Mittwoch, als er erstmals nach seinem Wahlsieg im November in New York vor die Medien trat.

«Ich habe nichts mit den Russen zu tun», sagte der designierte Bewohner des Weissen Hauses. Dann verwies Trump auf eine Stellungnahme des Kremls in Moskau, wonach die Behauptung, dass sich die russische Regierung im Besitz von kompromittierendem Material über den Amerikaner befinde, falsch sei. Er «respektiere» den russischen Präsidenten Wladimir Putin für dieses Dementi, sagte Trump.

Seine engsten Berater standen ihm bei dieser Medienschelte zur Seite. «Offen gesagt abscheulich» nannte der künftige Präsidenten-Sprecher Sean Spicer die Berichterstattung über das Dossier, «traurig» und «erbärmlich». Und der designierte Vizepräsident Mike Pence bezeichnete die Veröffentlichung als «unverantwortlich».

Schmiergelder und Prostituierte

Diese Kritik richtete sich in erster Linie gegen das freche Internet-Portal «Buzzfeed» und den traditionellen Nachrichtensender CNN. Die beiden Publikationen hatten am Dienstag darüber berichtet, hochrangige Vertreter der US-Geheimdienste hätten Trump mit inkriminierendem Material konfrontiert, das ein ehemaliger britischer Geheimdienstagent im Auftrag republikanischer und demokratischer Kreise im Sommer und Herbst 2016 gesammelt habe.

Das Material vermittelt den Eindruck, dass Trump und sein Umfeld enge Kontakte zur russischen Regierung pflegten – und der Kreml bereits vor fünf Jahren zum Schluss gekommen sei, dass der schwerreiche Geschäftsmann die politische Szene aufmischen könnte. Deshalb förderten sie ihn. Trump und sein Umfeld sollen dem Kreml dabei auch als Agenten gedient haben, und Auskunft über Exil-Russen in Amerika gegeben haben. Ob diese Zusammenarbeit ganz freiwillig erfolgte, wird aus der Lektüre nicht klar.

Im Bericht steht auch, dass der Republikaner in Russland in flagranti dabei erwischt worden sei, wie er Schmiergelder bezahlt und sich in Hotelzimmern mit Prostituierten vergnügt habe.

«Wie in Nazi-Deutschland»

Entspräche dies der Wahrheit, wären die Enthüllungen eine echte politische Bombe – und zwar nicht nur aufgrund des kompromittierendem Bildmaterials, das Trump während Sex-Akten zeigen soll. Dies scheint auch die Meinung der amerikanischen Geheimdienste zu sein. In der vergangenen Woche war deshalb eine zweiseitige Zusammenfassung des Berichts Teil eines Briefings der führenden Nachrichtendienste, die sie Präsident Barack Obama dem künftigen Präsident Donald Trump gaben.

Angeblich wollten die Schlapphütte damit sicher stellen, dass alle involvierte Kreise sich bewusst sind, dass dieses Material die Runde mache und Moskau behaupte, Trump nötigenfalls erpressen zu können. Trump zog daraus den Schluss, dass die Quelle für die Berichterstattung von CNN und «Buzzfeed» die Geheimdienste seien. Er warf CIA (Auslandsgeheimdienst), NSA (militärischer Nachrichtendienst) und FBI (Bundespolizei) deshalb vor, hinter einer Kampagne zu stecken, die Erinnerungen an Nazi-Deutschland wecke.

Moskau hinter Hacker-Angriff

Gleichzeitig räumte der Republikaner aber auch ein, dass er nun nicht mehr daran zweifle, dass Russland Anstrengungen unternommen habe, den Wahlkampf des vergangenen Jahres zu beeinflussen. Indem zum Beispiel gehackte Dokumente aus dem Wahlkampf von Hillary Clinton publiziert wurden. Trump sagte, Putin hätte nie die Erlaubnis für den Cyber-Angriff geben dürfen.

Eines seiner Ziele als US-Präsident sei es deshalb, den Russen wieder Respekt vor Amerika beizubringen, damit der Kreml in Zukunft von solchen Aktionen absehe. Dabei gehe er auch das Risiko ein, dass er den Russen vor den Kopf stossen könnte. Er bevorzuge aber das Gegenteil: «Wenn Putin Trump schätzt, dann ist das ein Vorzug und keine Belastung», sagte Trump, der von sich selbst häufig in dritter Person spricht.

Die Debatte über die Rolle, die Russland künftig im Weissen Haus spielen wird, führte dazu, dass der zweite Teil der Pressekonferenz etwas in den Hintergrund geriet. Trump gab auch bekannt, dass er sich aus seiner Familienholding zurückziehen werde, und seine beiden Söhne Don und Eric künftig für die Firma verantwortlich sein würden, die als Trust organisiert werde. Tochter Ivanka hingegen ziehe sich aus dem Betrieb zurück, auch weil ihr Gatte Jared Kushner künftig als Berater des Präsidenten tätig sein wird. Damit es keine neuen Interessenkonflikte gebe, gehe die Firma künftig keine Deals mehr im Ausland ein.