Herzog wurde 1994 als Nachfolger von Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt. Ursprünglich war Herzog Jurist und Hochschullehrer. Erst 1973 ging er – bereits 39-jährig – in die Politik; seit 1970 war er Mitglied der CDU. Helmut Kohl, damals Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, holte ihn in seine Regierung. Später wurde Herzog Innenminister in Baden-Württemberg. Anschliessend machte er wieder juristisch Karriere: ab 1983 als Richter am Bundesverfassungsgericht und dann als dessen Präsident.

Auch Herzogs Wahl zum Bundespräsidenten ist mit Helmut Kohl verbunden. Mittlerweile Bundeskanzler, war dieser mit dem Versuch gescheitert, den ultrakonservativen Sachsen Steffen Heitmann zum Bundespräsidenten zu machen. Herzog trat daraufhin gegen Hildegard Hamm-Brücher (FDP) und Johannes Rau (SPD) an und wurde im dritten Wahlgang gewählt. Herzog war ein volksnaher Bundespräsident, der sich aber auch nicht scheute, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen – auch nach seiner Zeit als Bundespräsident: «Das Volk bewegt sich nicht», kritisierte er 2008 in der «Bild»-Zeitung.

Länger als eine Amtszeit mochte Herzog nicht Bundespräsident sein. Das hatte er bereits im April 1997 mit dem Satz angekündigt: «Es müssen nicht alle die gleichen Dummheiten machen.» Zuletzt lebte Herzog auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn (Baden-Württemberg), wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zu Hause ist. Christiane Herzog, die er 1958 geheiratet hatte und mit der er zwei Söhne hatte, war im Juni 2000 gestorben.