Denn auch die Attelwiler, Reitnauer, Kirch- und Mooslerber, die Uerkner und die Staffelbacher teilen dieses Los.

Das Betreibungsamt wiederum ist nicht der einzige Aufgabenbereich, den viele Suhrentaler Gemeinden nach Schöftland auslagern (siehe Grafik). Wahrscheinlich aber ist das Betreibungsamt einer der beliebtesten Bereiche zum Auslagern. Der Grund: Die Anzahl Betreibungen hätte in den vergangenen Jahren massiv zugenommen und die Fälle seien komplexer geworden, erklärt der Schlossrueder Gemeindeammann Martin Goldenberger.

So stark sind die Suhrentaler Gemeinden mit Schöftland
So stark sind die Suhrentaler Gemeinden mit Schöftland
Quelle: Grafik: Aargauer Zeitung/Barbara Adank

Problematisch war in Schlossrued zudem, dass der Betreibungsbeamte zugleich stellvertretender Gemeindeschreiber war. Diese Doppelrolle ist schwierig, weil zwei komplett unterschiedliche Bereiche vermischt werden. Und Menschen, die betrieben werden, seien selten einfache Zeitgenossen, sagt Goldenberger. «Mit der Verschiebung des Betreibungsamtes haben wir viel Ärger ausgelagert.»

In Schöftland könne man mit schwierigen Personen und komplexen Fällen professioneller umgehen, ist er überzeugt. Für Schmiedrued-Walde ändert sich mit dem Wechsel wenig. Das Betreibungsamt führte in den letzten Jahren Schlossrued.

Zusammenarbeit ist nicht Fusion

Klar ist, dass viele Suhrentaler Gemeinden aus finanziellen und personellen Gründen in immer mehr Bereichen die Zusammenarbeit mit der Zentrumsgemeinde suchen. Das wird sich in Zukunft noch verstärken. Als abhängig von Schöftland will sich aber niemand sehen.

Als Win-win-Situation bezeichnet gar der Staffelbacher Gemeindeammann Max Hauri die Zusammenarbeit. Als Entlastung empfindet es Waldburga Müller, Gemeindeammann von Kirchleerau. Schöftland habe in vielen Bereichen grössere Erfahrung. Darum stellt Schöftland den Kirchlerbern auch die Steuerrechnung aus. Von kleinen Schritten in Richtung Fusion will auch niemand etwas wissen. «Solange es noch irgendwie geht, wollen wir eigenständig bleiben», sagt die Frau Gemeindeammann des 750-Seelen-Dorfs.

Yvonne Reichlin, Leiterin der Aargauer Gemeindenabteilung, prophezeite jüngst an einem Podium der FDP Lenzburg kleinen Gemeinden wie Kirchleerau, die eine Steuerkraft pro Einwohner unter 2000 Franken haben, eine schwierige Zukunft. Als «FDP-Gesäusel», tut der Schlossrueder Gemeindeammann diese Behauptung ab. Schlossrued hat eine Steuerkraft pro Einwohner von 1686 Franken. Grösser heisse zwar professioneller aber auch teurer», meint er. Fusionen aber würden todsicher bald wieder diskutiert in der Region, sagt er. Martin Goldenberger ist auch Präsident des regionalen Planungsverband Suhrental. In dieser Funktion befürwortet er die verstärkte Zusammenarbeit der Gemeinden ebenfalls. Dadurch werde Schöftland als Zentrumsgemeinde gestärkt und die kleinen Gemeinden würden entlastet. Wichtig sei es, im Tal zusammenzuarbeiten. «Wir werden sonst als Randregion vergessen.»

In Schöftland sei man mit der Übernahme des Betreibungsamtes gefordert, sagt Gemeindeschreiber Rudolf Maurer. Er sagt auch: «Schöftland drängt sich den kleineren Gemeinden nie auf.» Die umliegenden Gemeinden seien aber zurückhaltend, wenn Schöftland in gewissen Bereichen eine regionale Zusammenarbeit anstrebt «Ausser sie sind in Not.» Aber dann stehe Schöftland immer mit offenen Armen da, verspricht Gemeindeschreiber Maurer.