Das Publikum krümmt sich vor Lachen, amüsiert ob dem armen Kerl, dem auf der Bühne ein Missgeschick nach dem anderen passiert. Der hinfällt, sich aufrappelt, die rote Nase richtet und dann unverhofft einem Hustenanfall verfällt.

Der Clown windet sich, würgt, kriegt kaum mehr Luft. Entsetzen im Gesicht. Eine Szene, die an Dramatik kaum zu überbieten ist – und die dramatisch endet. Clown Pavel stirbt. Heimtückisch vergiftet. Doch das wird man erst später erfahren, im Laufe der «Bestatter»-Episode von heute Abend, wenn Luc Conrad (Mike Müller), Hauptkommissarin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Terpoorten) und Kollege Reto Doerig (Samuel Streiff) auf SRF 1 wieder ermitteln.

Drei Minuten ist der Clown im Einsatz, vielleicht nicht einmal ganz. Zum Sterben bestimmt, von Anfang an. Denn er ist der Fall, den es heute zu lösen gilt, gespielt von einem Mann aus der Region. Ein Mann, der als Clown und im Sterben geübt ist, wie er von sich selber sagt. Trotzdem war die Erfahrung auf dem Filmset des «Bestatters» eine ganz besondere.

Clown wiederentdeckt

Clo Bisaz ist Schauspieler, Produzent und Theaterleiter. Seit 30 Jahren steht er auf der Bühne. Der 58-Jährige, der in Beinwil am See wohnt und das Theater am Bahnhof TaB Reinach führt, war und ist in verschiedenen Ensembles unterwegs. Unter anderem startete er zusammen mit Thomy Truttmann vor 13 Jahren als «Salto&Mortale» mit einer Geschichte über einen Clown, dessen Spässe niemanden mehr zum Lachen bringen und der sich deshalb den Tod herbeiwünscht.

«Der Bestatter»: Der Trailer zu Folge 2 der 5. Staffel.

Rund 280 Mal wurde das Stück gezeigt. Jemand hatte es damals gesehen – und sich Jahre später, als für die zweite Folge der fünften Staffel ein Clown gesucht wurde, erinnert. Das war Casting-Frau Corinna Glaus. Clo Bisaz wurde von Schweizer Radio und Fernsehen im vergangenen Frühling angefragt und engagiert. Sein erster Auftritt beim Film.

«Ich bin schon in vielen Varianten gestorben», sagt Clo Bisaz. Aber Theater sei etwas anderes als Film. «Da heisst es aufstehen und noch mal beginnen.» Als Theatermensch habe er Zeit, sich in die Rolle hineinzuversetzen, sie zu fühlen, den Handlungsbogen zu erhalten. «Auf dem Set geht das nicht.» Eine Klappe dauere vielleicht 45 Sekunden. Dann gehe es wieder von vorne los. «Mir ist zugutegekommen, dass ich diesen Clown schon so oft verkörpert und mich in meinem eigenen Theaterstück mit dem Tod auseinandergesetzt habe.» Dadurch habe er sich rasch hineinfühlen und einsteigen können. «Das war nötig. Sonst wäre das nicht gegangen, nicht mit dieser Dramatik.»

Trotz grosser Theatererfahrung war das Sterben im «Bestatter»-Dreh «sehr emotional für mich», sagt Clo Bisaz. «Ein existenzielles Gefühl». Er habe tatsächlich Erstickungsgefühle gehabt, Schweissausbrüche, Herzklopfen. Der Tod sei dann eine Erlösung gewesen. Natürlich habe er immer gehofft, es diesmal gut genug gemacht zu haben, «nicht wegen mir, ich war so im Rausch, ich hätte ewig weitermachen können, nein, wegen der anderen».

Drei Tage an Szene gedreht

Wie oft er das Sterben habe wiederholen müssen, weiss Clo Bisaz nicht mehr so genau. Er überlegt: «Vielleicht vier oder fünf Mal.» Drei Tage lang wurde an der Szene gedreht, zuvor ebenso lange geprobt. Ob er als Toter denn nie gezwinkert habe, will die az wissen. Clo Bisaz lacht und demonstriert sogleich seine spezielle Atemtechnik – die Atemtechnik eines Toten, versteht sich: «Man muss ganz langsam ausatmen, sodass man nichts merkt.» Seine Lippen beben. Er lacht wieder. «Momol, es hat schon funktioniert», beteuert er, sogar so gut, dass er auf dem Schragen im forensischen Institut – die Szene wurde im zürcherischen Waid-Spital gedreht – eingeschlafen sei. Eine unheimliche Vorstellung.

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Mike Müller über die Herausforderungen der Figur Luc Conrad, sein Mitspracherecht bei der Serie und das Anschnallen im Bestattungswagen.

Er habe sich früher mal, nach seiner Schauspielausbildung, bewusst für das Theater entschieden. «Dass ich jetzt diese Chance im Film bekommen habe, freut mich riesig», so Bisaz. «Das war eine tolle Erfahrung.» Und ja, er würde es wieder machen, wenn er noch einmal angefragt würde. «Sofort.»

Gesehen hat er sich selbst noch nicht. «Ich bin sehr gespannt», gesteht er ein. Er werde sich die Folge heute Abend zusammen mit seiner Frau daheim im Fernsehen anschauen, ganz privat, ohne Brimborium. Ein Fan hat er jedoch bereits auf sicher: Mama Bisaz in Zizers verpasst nämlich keine «Bestatter»-Folge. Sie ist ein so grosser Fan, dass es ihr gar eine Ehre war, als Sohn Clo just an ihrem 85. Geburtstag zum Dreh aufgeboten wurde und die Feier verschoben werden musste.

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